Mannheims Dschungel wird neu eingekleidet

Sanierung von Technik und Hülle des Pflanzenschauhauses

Innenansicht des Baugerüstes im PflanzenschauhausDas 1958 eingeweihte Pflanzenschauhaus im Herzen des Luisenparks wird derzeit umfangreich saniert: Eine optimierte Fassadenhülle und eine komplett neue Gewächshaustechnik bringen den markanten Bau energetisch und optisch wieder auf Stand. Doch bis das Pflanzenschauhaus in neuer Pracht zur Eröffnung der BUGA 23 im kommenden Jahr wieder besucht werden kann, ist einiges zu tun.

Freuen können sich die Besucher bereits jetzt auf eine klare Sicht hinein in die Tropen sowie mehr Transparenz. Die milchig trüben Stegplatten an den Wänden werden erneuert und weichen dann klaren Sichtscheiben. Einem Schaufenster gleich gibt das Gewächshaus im Großformat, das ganzjährig vor allem bei unbeständiger Witterung ein Anziehungspunkt für die Besucher ist, dann auch von außen schön sichtbar die exotische Welt im Inneren preis. „Das erfüllt den architektonischen Anspruch der Neuen Parkmitte an eine helle und durchlässige Gestaltung, Innen- und Außenwelt verschmelzen miteinander. Es ergeben sich zudem neue Möglichkeiten durch interessante Beleuchtungskonzepte und wir heben natürlich nicht zuletzt wesentliche Effizienzpotenziale“, freut sich Parkdirektor Joachim Költzsch. Dafür lässt das Pflanzenschauhaus im Herzen des Luisenparks in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes die Hüllen fallen. Jedoch nicht auf einmal: Binder für Binder wird in einem rollierenden System gearbeitet, das Gerüst wandert mit. 

Bei aller Erneuerung bleibt das typische Erscheinungsbild trotz neuer Gebäudehülle jedoch grundsätzlich erhalten: Die Scheibengröße wird am Bestand orientiert und auch die bislang ungedämmten blauen Fachwerkbinder bleiben. Sie werden mit gedämmten Flachpaneelen im passenden blauen RAL-Farbton eingekleidet und in die thermische Hülle eingebunden.


Gute Luft und effiziente Beheizung

Das Foyer wird komplett umgestaltet mit einem Durchbruch, der als Verbindung direkt in die Neue Parkmitte führt und die offene Gestaltung des Zentrums betont. Besucher müssen den Pflanzenschauhaus-Komplex künftig nicht mehr umrunden. 

In Sachen Technik und Hülle werden das große und kleine Pflanzenschauhaus aktuellen energetischen Anforderungen angepasst, was die Ökobilanz des Gebäudes im zukünftigen Betrieb verbessern wird. Das erfolgt unter anderem durch eine einheitliche Umstellung auf Zweischeiben-Isolierglas, eine verbesserte Dacheindeckung, die Dämmung der blauen Fachwerkbinder sowie thermisch getrennte Sprossen. Eine Trennwand zwischen großem und kleinem Pflanzenschauhaus verhindert den Wärmeabzug im kleineren Bau und durch die Ausquartierung der Tiere in das neu entstehende Südamerikahaus wird zudem eine effizientere Beheizung möglich. 

Zudem wird eine neue Heiz- und Lüftungstechnik installiert: Warmluftanlagen sowie Ventilatoren sorgen künftig für optimale und effiziente Luftumwälzung und Beheizung. Eine Firstlüftung im Dach sowie eine Seitenlüftung in den Traufwänden verbessern die Lüftungsqualität der Häuser. Das sorgt auch für ein angenehmeres Klima für Besucher und Pflanzen. Die gezielte Steuerung, Überwachung und Verknüpfung der genutzten Technik wie Bewässerung, Hochdrucknebelanlage, Heizung, Lüftung und Schattierung über einen zentralen Klimacomputer erhöhen die Effizienz in den beiden Schauhäusern weiter. 

Gaanz vorsichtig

In der Umsetzung gilt es, den prächtigen tropischen Pflanzenbestand im Inneren des Pflanzenschauhauses trotz der umfangreichen Sanierungsarbeiten bestmöglich zu schützen. Eine Aufgabe, die vom betreuenden Gewächshausbauer Rabensteiner mit Bravour gelöst wurde: Behutsam und sehr sensibel wurde das Raumgerüst im Inneren um die Dschungellandschaft herum gebaut und zieht sich bis unter das Dach. Die tropischen Pflanzenschätze müssen nur an den Randbereichen leicht zurückgeschnitten werden und bleiben grundsätzlich erhalten. Auch das rollierende System für die Demontage der alten und die Montage der neuen Glasflächen, wobei das Gerüst mitwandert, dient dem Pflanzenschutz: Zum einen, um stets einen Witterungsschutz zu gewährleisten und zum anderen, um eine dauerhafte Verschattung durch das Gerüst zu minimieren.

Die Tiere der Mannheimer Tropen sind während der Zeit des Umbaus bestens versorgt und entweder bereits in Interimsquartiere gezogen oder vorübergehend an anderen Stellen hinter den Kulissen untergebracht. Auch wenn das Pflanzenschauhaus mit all seinen Bereichen bis zur Eröffnung der BUGA 23 leider nicht besucht werden kann, bleibt das Café Pflanzenschauhaus weiterhin geöffnet und freut sich über Besuch!

Bau mit langer Geschichte

Das 1958 eingeweihte Pflanzenschauhaus wurde 1975, 1986, 1989 und 1995 wesentlich erweitert. Rechtzeitig zum 100. Geburtstag der Namensgebung des Luisenparks im Jahre 1996 erfuhr das Pflanzenschauhaus eine weitere Aufwertung durch eine neue Ausstellungshalle von 400 Quadratmetern sowie ein neues Tropenhauses mit freilebenden tropischen Schmetterlingen. Dieses wird derzeit bis zur Bundesgartenschau zu einem Südamerikahaus erweitert, in dem tropische Schmetterlinge künftig weiterhin, aber dann gemeinsam mit Krallenäffchen und ausgewählten Reptilien dieses Kontinents erlebt werden können. Im Mai 2009 wurde das Baumfarnhaus eröffnet, eine Erweiterung, die durch die großzügige Unterstützung des Förderkreises „Freunde des Luisenparks“ e.V. ermöglicht wurde.