Abschied vom Frühling

Luisenpark-Gärtner haben 30 000 Tulpen aus den Beeten geholt

Mai 2019: Tulpen weichen den Sommerpflanzen

Was sich hinter dem Haupteingang des Luisenparks auftut, zählt im Frühjahr zu den floralen Höhepunkten der Region. Ellen Oswald, gärtnerische Leiterin des Luisenparks, und ihr Team zaubern jedes Jahr tausende von Tulpen, Stiefmütterchen, Hyazinthen und Vergissmeinnicht in die insgesamt 13 „Wechselflorbeete“. Der Name der blühenden Beete kommt nicht von ungefähr: Gerade erst haben die Luisenpark-Gärtner alles wieder "einmal durchgewechselt": Die Tulpenzwiebeln, Stiefmütterchen, Hornveilchen und alle Frühlingsblüher wurden ausgegraben, der Boden aufbereitet und modelliert und dann wurden tausende neue Sommerblüher in die Beete am Haupteingang gepflanzt. In die Strahlenbeete am Fahnenhügel werden dieser Tage noch 16 000 kleine Begonien gepflanzt, wow! „Noch ist alles klein, aber wir erwarten auch in diesem Jahr wieder ein Feuerwerk von Blüten und Farben“, sagt Ellen Oswald. Das besondere beim Florwechsel 2019: In den vergangenen Jahren wurden unsere Gärtner durch eine Fremdfirma verstärkt, um diese Riesenaufgabe besser bewältigen zu können. Diesmal haben es die Gärtner selbst geschultert: In einer konzertierten Aktion aller Grünreviere wurden 30 000 Tulpenzwiebeln entfernt. Zeitplan eingehalten? Es hat geklappt: Mit vereinten Kräften – in nur fünf Arbeitstagen!

Wir sagen danke an unsere Gärtner und Bravo für diese Leistung!

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Und im Oktober heißt es dann für Sommerflor wieder "Adieu": die Sommerbepflanzung muss weichen und viele tausend Tulpenzwiebel werden wieder neu eingesetzt. Was nach einer Menge Aufwand klingt, ist auch in der Planung sorgfältig vorzubereiten. Die Damen und Herren der Stadtgärtnerei ziehen die Pflanzen im benachbarten Gewächshaus groß. Und welche Blume kommt wo hin? Die logistische Vorarbeit leistet Ellen Oswald, die jedes Jahr einen neuen „Masterplan“ für ihre ästhetischen Beet-Entwürfe erarbeitet. Oswald ist dabei so trendig wie experimentierfreudig. Auch eine exotische Staude wird hie und da dazwischengesetzt und setzt optisch neue Akzente. Geplant werden muss auch die Wuchsentwicklung: Was im Mai noch klein zu wachsen beginnt, soll spätestens im Juli schön entwickelt sein. Der Hochsommer im letzten Jahr lieferte ein überbordendes florales Bild mit einer tropisch anmutenden Vegetation in starken Sommerfarben orange, dunkelrot und leuchtendem sonnengelb, dazwischen ragten tropische Bananenstauden empor und über allem thronten erhabene Palmen, die einen endgültig in den Süden entführten!

 

April 2019: Päonientage im Luisenpark eröffnet
Blütenreich im Chinesischen Garten bezaubert noch bis in den Juni hinein.

 
Auf den ersten Blick schien das Wetter einfach nur schlecht zu sein am letzten Freitag Morgen den 26. April, zur Eröffnung der Päonientage, einer gärtnerischen Leistungsschau rund um die Pfingstrose im Luisenpark. Doch Parkdirektor Joachim Költzsch, der die mittlerweile 5. Gärtnerischen Thementage eröffnete, verwies nicht nur auf das dringende Bedürfnis der Pflanzen nach Wasser. „Es ist mittlerweile fast eine Tradition, dass alle relevanten Veranstaltungen im Chinesischen Garten bei Regen stattfinden“, begann der Parkchef mit Humor. „Das kann ich mir nur dadurch erklären, dass der Regen in China mit einer positiven Symbolik belegt ist: Er steht für Fruchtbarkeit!“ Und dass Költzsch seine kurzweilige Ansprache direkt unter dem Pavillon der verweilenden Wolke hielt, rundete die Szene ab.
 
Die „Blume der Kaiserin“ fühlt sich am „Mannheimer“ Teehaus wohl
Die Päonie oder Pfingstrose zählt mit ihren prächtigen Blüten zweifelsohne zu den beliebtesten Frühlingsblühern. Aufgrund ihrer geschichtsträchtigen Vergangenheit und des ausgezeichneten Standorts am Chinesischen Teehaus im Luisenpark entschied man sich dazu, die „Blume der Kaiserin“ einmal genauer zu präsentieren.
Und in der Tat: Die Gärtner rund um Ellen Oswald, gärtnerische Leiterin des Parks, haben am Chinesischen Garten einmal mehr „gezaubert“. Das Team um Revierleiter Timo Brendel mit Johanna Fabian, René Schweikert und Mirko Wenzinski haben fast 250 Pfingstrosen zum Blühen oder zumindest zur unmittelbar bevorstehenden Blüte gepflegt. Ein herrlicher Anblick erwartet die Besucher der Päonientage damit im Chinesischen Garten.
„Das Gärtnern bedeutet für mich zwei Dinge: Es ist Handwerk und Kunstwerk zugleich“, kommentierte Ellen Oswald die vielen staunenden Besucher der Tage, die von Freitag, den 26. bis Sonntag, den 28. April zu erleben sind. Sie betonte, dass ihr Arbeitsschwerpunkt nicht auf der Botanik liege, sondern darauf, nach einem floral-ästhetischen Konzept Menschen zu begeistern. „Wir sind Gärtner, und das mit Herzblut. Wir wollen den Menschen mit unserem gärtnerischen Thementagen die Qualität, die wir haben, auch zeigen, aber auch unser Wissen mit ihnen teilen“, so Oswald, die bereits Seerosentage, Lagerströmientage, Lavendeltage und Hortensientage veranstaltet hat.
 
Rundweg im Regen
Auf einem Rundweg berichtete Oswald viel Wissenswertes über die Päonie in der chinesischen Kultur sowie über einzelne Arten und Sorten. Während die Pfingstrosen der Gattung paeonia suffroticosa, im Luisenpark zu sehen an der Wegseite des Teehauses, schon alle Blüten voll entfaltet haben, blüht die Sortepaeonia rockii auf der gegenüber liegenden Seite erst ganz verhalten. Die zahlreichen Blütenkelche der beiden Arten gehen in der derzeit sehr prachtvollen Anlage eine überaus ästhetische Freundschaft ein.
 
Ellen Oswald gab bei dem Rundgang durch dieses Blütenreich nicht nur Tipps zur Pflanzung und Pflege. Sie erläuterte etwa auch den interessanten Unterschied zwischen Stauden- und Strauch-Pfingstrosen: Man erfuhr, dass die Staude sich zum Winter völlig in den Boden zurückzieht und wie durch ein Wunder immer wieder zum Frühjahr erscheint. Sie ist mehrjährig und verholzt im Gegensatz zum Strauch, der immer bleibt, nicht. „Es gibt sogar“, so erfuhren die Besucher von Oswald „eine Zwitterart, die so genannte Ito-Hybride Päonie.“ Zu sehen ist dieses Exemplar am Fuß des kleinen Pavillons, direkt gegenüber der „ganzen Hochkaräter“, wie Oswald die blühenden China-Strauchpäonien nennt. Die Ito-Hybride Päonie ist die Kreuzung zwischen einer Strauch- und einer Staudenpäonie, die einst einem Züchter aus Japan posthumen Ruhm einbrachte. Diese intersektionelle Päonie verbindet die herrliche Blüten- und Blattform der Strauchpäonie mit dem Wuchs einer Staudenpäonie, die ihre Blüten nacheinander hervorbringt.

Eine Päonie wie eine Rose
Man erfuhr vieles über die besondere Art der Paeonia Rockii, deren zarte Blüte fast wie eine Rose anmutet und die besonders elegant wächst. Zu bewundern sind die im Herbst 2017 neu gesetzten 40 Pflanzen dieser Art am Fuße des Pavillons der verweilenden Wolke. Eine von Ihnen, und hier kommt wieder das Wetter zur Eröffnung der floralen Leistungsschau ins Spiel, heißt singin’ in the rain.
Und so endete dann auch der Rundweg bei leichtem Regen, doch irgendwie passte an diesem besonderen Auftakt der Päonientage alles zusammen. Und Ellen Oswald nahm es wie immer sportlich: „Wir halten es, wie die Engländer: Sonne ist bei den Insulanern „schönes Wetter“, Regen ist „gutes Wetter“, auch als „liquid sun“ bezeichnet!“
 
Klein, aber fein: Der Päonienmarkt
Wer sich nun nicht sattsehen kann an den herrlichen Blüten und im heimischen Garten noch ein geeignetes Plätzchen frei hat, dem kann bei den Päonientagen auch geholfen werden: Mit einem kleinen, aber sehr feinen Gartenmarkt ergänzt die Firma „Müller Lebensraum Garten“ aus Mauer bei Heidelberg das Angebot auf besondere Weise. Hier werden Päonien, aber auch andere passende Stauden und Accessoires für den Päoniengarten zum Verkauf angeboten. Auch gibt es Tipps rund um die Kultivierung der Päonie.

Chance verpasst? Mitnichten!

Die Pfingstrose besticht noch bis Juni mit Ihrer Blütenpracht. Also jeder der die Päonientage verpasst hat kann noch mal vorbei kommen. Ein Besuch lohnt sich allemal.