Kamelien im Chinesischen Garten

Fernöstlicher Blütenzauber im Herbst

Kamelien im Luisenpark
Bild: Anke Koschitz
Wenn sich das Laub jetzt langsam verfärbt und die Blüte im Luisenpark zurückgeht, machen sich die Kamelien im Chinesischen Garten bereit für ihren großen Auftritt. Der im vergangenen Jahr entstandene Gartenbereich hinter dem Teehaus beherbergt zahlreiche herbst- und winterblühende Kamelien. Je nach Sorte zeigen sie ihre farbenprächtigen Blüten in Rot, Weiß und Rosa von Herbst an über den ganzen Winter bis ins Frühjahr hinein. Also genau dann, wenn sonst eher wenig blüht. Unbedingt vorbeischauen!

BU: Weiß wie Schnee: Winterblühende Kamelie am Mondtor.
Weiß wie Schnee: Winterblühende Kamelie am Mondtor.
Jenseits der 12 Grad kann es der „Rose des Winters“ schon zu warm werden und sie wirft ihre Blüten ab. Ursprünglich stammen die Kamelien aus Südostasien und gehören zur Familie der Teestrauchgewächse. Da war die thematische Anbindung natürlich gegeben, die Pflanze mit dem immergrünen glänzenden Laub und dem eleganten Wuchs auch am Teehaus des Luisenparks anzusiedeln. Vereinzelte Kamelien gab es dort schon, die bewiesen hatten, dass der Standort gut geeignet ist. „Mein Team hatte oft den Wunsch geäußert, die etwas verwaiste Fläche hinter dem sehr schönen Teehaus zu gestalten. Zunächst war eigentlich nur ein kleiner Kameliengarten im Inneren des Chinesischen Gartens geplant. Dann hat uns vergangenes Jahr aber schnell die Kamelienbegeisterung gepackt und wir beschlossen, der schönen Asiatin gleich ein ganzes Areal im Chinesischen Garten zu widmen mit einer Erweiterung jenseits des großen Mondtores am nördlichen Pagodengang“, erzählt Ellen Oswald, Gärtnerische Leiterin der Mannheimer Stadtparks.

Aus der ganzen Republik

Mit Anke Koschitz, der Direktorin für Deutschland bei der Internationalen Kameliengesellschaft (ICS) mit Sitz in Frankfurt, war zudem eine kompetente Partnerin gefunden, die den Aufbau des Kameliengartens maßgeblich unterstützt hat. Sie hat wertvolle Pflanzenspenden beigesteuert und wird das Projekt auch weiterhin begleiten. Mitglieder der Gesellschaft folgten zudem ihrem Aufruf und so kamen Pflanzenspenden von Privatleuten aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen. Auch Unternehmen wie Bauhaus haben eine Kamelie gespendet: Sie ist mittlerweile knapp fünf Meter hoch gewachsen! Insgesamt wurden so schon 193 verschiedene Sorten im Chinesischen Garten gepflanzt. Im Oktober vergangenen Jahres wurde der neue Kameliengarten offiziell eröffnet – pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum des Chinesischen Gartens im Jahr 2021. Zusammen mit den Päonien ist dort ein wahres Schmuckkästchen für Freunde asiatischer Blumen entstanden. Fest im Blick hat die gärtnerische Leiterin des Luisenparks die Auszeichnung als „Camellia Garden of Excellence“. Die ICS vergibt diese an Gärten, in denen über 200 verschiedene Kameliensorten und Arten zu sehen sind. 193 gibt es im Luisenpark ja bereits, es heißt also Endspurt: Noch 7 Sorten, das müsste doch zu schaffen sein! 

Keine Diva

BU: Blüte über den Winter bis ins Frühjahr hinein: llen Oswald mit Kamelien im Chinesischen Garten.
Blüte über den Winter bis ins Frühjahr hinein:
Ellen Oswald mit Kamelien im Chinesischen Garten.
Im Kameliengarten des Luisenparks stehen herbstblühende Kamelien der Art Camelia sasanqua und winterblühende Kamelien (Camelia japonica) gemischt zusammen. „Die Herbstsorte ist die unbekanntere Pflanze. Sie ist meist kleinblütiger und hat auch etwas kleinere Blätter, aber einen tollen erdig weichen Duft und eine langanhaltende Blüte“, schwärmt Ellen Oswald. Übrigens: Die Kamelien haben oft zu Unrecht den Ruf, besonders empfindlich zu sein. Als Gartenpflanze ist die Kamelie äußerst dankbar und gibt sich geradezu pflegeleicht. Windgeschützt, an halbschattigem Standort in leicht saurer Erde kann sie in unseren Breiten durchaus zu einem bis zu vier Meter hohen Baum wachsen. „Man darf sie nur nicht komplett austrocknen lassen, schon gar nicht über die Wintermonate, in denen man gerne das Gießen vergisst“, empfiehlt Ellen Oswald.

Übrigens:

Im 19. Jahrhundert gab es einen regelrechten Kamelien-Boom: Auf den Bällen der „Belle Époque“ durfte sie als Ansteckblume nicht fehlen.